Das Leben als Labor des Bewusstseins / Poesie
- Sarla Klee
- 28. Feb.
- 2 Min. Lesezeit
Weit größer als das Bild im Spiegel
ist das Wesen, das durch die Zeiten wandert.
Ein verborgenes Unendliches
trägt die Maske des Endlichen
und nennt sich Mensch.
Im stillen Raum hinter den Gedanken
öffnet sich ein Tor nach dem anderen.
Jede Öffnung ist ein Ruf.
Jeder Widerstand ist ein Hüter des nächsten Lichts.
Und selbst die verschlossene Tür
bewahrt ein schlafendes Morgen.
So webt das Unsichtbare
an der Substanz der Tage.
Das Gewöhnliche wird zum Altar,
der Augenblick zum Prüfstein,
das Leben zum Labor
einer langsamen göttlichen Geburt.
Nicht Flucht ist der Weg,
nicht das Verlöschen im fernen Frieden.
Nicht das Entgleiten aus der Welt
in ein namenloses Schweigen.
Denn die Erde ist kein Irrtum.
Sie ist ein verhülltes Leuchten.
Ihre Dichte birgt ein Geheimnis,
ihre Schwere trägt den Keim des Himmels.
Was als Irrtum erschien,
war nur unvollendetes Licht.
Was als Widerstand auftrat,
war gebundene Kraft.
Was als Dunkel drückte,
war wartende Flamme.
Nichts ist vergeblich
im großen Werk der Wandlung.
Zorn wird zum Erz,
das im Feuer der Bewusstheit schmilzt.
Verletztheit wird zur Tür
in die Tiefe des ungeheilten Raumes.
Neid, Zweifel, Angst –
rohes Material einer unsichtbaren Alchemie.
Das Mentale, das rastlos formt,
das Vitale, das begehrt und zittert,
der Körper, der trägt und leidet –
keiner darf zurückbleiben.
Kein Teil ist entbehrlich
im Aufstieg der Materie zum Geist.
Nicht nur das Herz soll leuchten,
auch der Gedanke soll sich klären,
auch die Tat soll durchsichtig werden
für ein höheres Wirken.
Denn das Ziel ist nicht die stille Höhle allein,
sondern der Marktplatz im Licht.
Nicht nur Meditation im Schweigen,
sondern Stille im Handeln.
So ringt das Ewige
im Staub der Stunden
um seine eigene Gestalt.
Das Leben selbst
ist der verborgene Meister.
Es führt durch Widerstände,
es prüft durch Begegnung,
es läutert durch Wiederkehr.
Und was jetzt ist,
in seiner Unvollkommenheit,
ist nicht Hindernis,
sondern Erneuerung.
Aus der Dichte wächst Weite.
Aus der Reibung entsteht Glanz.
Aus der Materie erhebt sich
ein neues Bewusstsein,
das nicht außerhalb der Welt thront,
sondern in ihr
seinen Thron errichtet.
So wird die Erde
nicht verlassen,
sondern verwandelt.
Und mitten im Gewöhnlichen
beginnt das Wunder.



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