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Das Leben als Labor des Bewusstseins / Poesie



Weit größer als das Bild im Spiegel

ist das Wesen, das durch die Zeiten wandert.

Ein verborgenes Unendliches

trägt die Maske des Endlichen

und nennt sich Mensch.


Im stillen Raum hinter den Gedanken

öffnet sich ein Tor nach dem anderen.

Jede Öffnung ist ein Ruf.

Jeder Widerstand ist ein Hüter des nächsten Lichts.

Und selbst die verschlossene Tür

bewahrt ein schlafendes Morgen.


So webt das Unsichtbare

an der Substanz der Tage.

Das Gewöhnliche wird zum Altar,

der Augenblick zum Prüfstein,

das Leben zum Labor

einer langsamen göttlichen Geburt.


Nicht Flucht ist der Weg,

nicht das Verlöschen im fernen Frieden.

Nicht das Entgleiten aus der Welt

in ein namenloses Schweigen.


Denn die Erde ist kein Irrtum.

Sie ist ein verhülltes Leuchten.

Ihre Dichte birgt ein Geheimnis,

ihre Schwere trägt den Keim des Himmels.


Was als Irrtum erschien,

war nur unvollendetes Licht.

Was als Widerstand auftrat,

war gebundene Kraft.

Was als Dunkel drückte,

war wartende Flamme.


Nichts ist vergeblich

im großen Werk der Wandlung.


Zorn wird zum Erz,

das im Feuer der Bewusstheit schmilzt.

Verletztheit wird zur Tür

in die Tiefe des ungeheilten Raumes.

Neid, Zweifel, Angst –

rohes Material einer unsichtbaren Alchemie.


Das Mentale, das rastlos formt,

das Vitale, das begehrt und zittert,

der Körper, der trägt und leidet –

keiner darf zurückbleiben.

Kein Teil ist entbehrlich

im Aufstieg der Materie zum Geist.


Nicht nur das Herz soll leuchten,

auch der Gedanke soll sich klären,

auch die Tat soll durchsichtig werden

für ein höheres Wirken.


Denn das Ziel ist nicht die stille Höhle allein,

sondern der Marktplatz im Licht.

Nicht nur Meditation im Schweigen,

sondern Stille im Handeln.


So ringt das Ewige

im Staub der Stunden

um seine eigene Gestalt.


Das Leben selbst

ist der verborgene Meister.

Es führt durch Widerstände,

es prüft durch Begegnung,

es läutert durch Wiederkehr.


Und was jetzt ist,

in seiner Unvollkommenheit,

ist nicht Hindernis,

sondern Erneuerung.


Aus der Dichte wächst Weite.

Aus der Reibung entsteht Glanz.

Aus der Materie erhebt sich

ein neues Bewusstsein,

das nicht außerhalb der Welt thront,

sondern in ihr

seinen Thron errichtet.


So wird die Erde

nicht verlassen,

sondern verwandelt.


Und mitten im Gewöhnlichen

beginnt das Wunder.

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