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Von der gewöhnlichen Selbstbestimmtheit zur Selbstbestimmtheit in Übereinstimmung mit dem Wahren**

Aktualisiert: 19. Jan.


Ein zentraler Kern auf dem spirituellen Weg


Auf dem spirituellen Weg gibt es Themen, die wie ein Kernpunkt wirken – Themen, an denen sich vieles entscheidet, sobald wir diesen Weg wirklich gehen wollen. Eines dieser zentralen Themen ist die Selbstbestimmtheit. Genauer gesagt: das Unterscheidungsvermögen zwischen der gewöhnlichen Selbstbestimmtheit und einer Selbstbestimmtheit, die in Übereinstimmung mit dem Wahren lebt.


Beide Formen sind Selbstbestimmtheit, doch sie unterscheiden sich grundlegend in ihrer Ausdrucksformen, ihrer Tiefe und in dem Raum, aus dem sie hervorgehen. Dieser Beitrag zeichnet eine Reise nach – von der alltäglichen, egozentrierten Selbstbestimmtheit hin zu einer Selbstbestimmtheit, die im Einklang mit der Wahrheit steht.


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Zwei Formen der Selbstbestimmtheit


Die gewöhnliche Selbstbestimmtheit


Die gewöhnliche Selbstbestimmtheit ist jene, die wir meist ganz selbstverständlich leben. Sie entspringt dem Geist, der sich als „Ich“ versteht und behauptet. Dieser Geist regiert aus Angst, aus Kontrolle, aus Abwehr. Er identifiziert sich mit dem mentalen und vitalen Dasein – mit dem, was man traditionell als Ego oder Person bezeichnet.


Diese Form der Selbstbestimmtheit erscheint frei. Sie fühlt sich autonom und selbstbestimmt an. Doch in Wahrheit ist sie innerlich gebunden: gebunden an Gewohnheiten, an Muster, an mentale und vitale Reaktionen. Der Mensch verteidigt in ihr seine Freiheit – doch oft verteidigt er lediglich seine Gewohnheiten.


Aus dieser Haltung heraus fürchtet das Ego die Hingabe. Denn Hingabe wird verwechselt mit Unterwerfung oder gar mit Auslöschung. Würde das Ego seine gewohnte Selbstbestimmtheit aufgeben, so glaubt es, würde seine Welt untergehen. Deshalb reagiert es mit Angst, Kontrolle und Abwehr.


Diese Schutzreaktion ist zunächst nichts Verwerfliches. Sie ist ein natürlicher Impuls des Ichs. Problematisch wird sie erst dann, wenn das Ego nicht erkennt, dass es hier nicht um seine Vernichtung geht, sondern um Verwandlung.


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Die Selbstbestimmtheit in Übereinstimmung mit dem Wahren


Demgegenüber steht eine andere Qualität von Selbstbestimmtheit: jene, die in Übereinstimmung mit dem Wahren lebt. Hier geht es nicht darum, Selbstbestimmtheit zu kritisieren oder aufzugeben. Im Gegenteil: Es geht darum, sie zu verwandeln.


Die entscheidende Frage lautet nicht: *Habe ich Selbstbestimmtheit oder nicht?*

Sondern: Wer bestimmt?

Wer oder was lebt meinen Willen?


Auf dem spirituellen Weg wird die begrenzte, gewöhnliche Selbstbestimmtheit nicht abgeschafft, sondern geklärt, vertieft und geweiht. Sie verwandelt sich in eine Selbstbestimmtheit, die nicht mehr isoliert ist, sondern im Einklang mit dem Wahren steht.


Diese Form der Selbstbestimmtheit ist kein Akt blinder Unterwerfung. Sie ist auch keine Willenlosigkeit. Vielmehr bleibt der Wille erhalten – doch er ist nicht länger getrennt. Er ist eingebettet in eine größere Wahrheit.


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Wille, Hingabe und Transformation


Ein zentrales Missverständnis auf dem spirituellen Weg betrifft das Thema Hingabe. Viele glauben, Hingabe bedeute, sich selbst aufzugeben oder den eigenen Willen zu verlieren. Doch genau das ist nicht gemeint.


Der menschliche Wille soll nicht zerstört, nicht unterdrückt und nicht ausgeschaltet werden. Er soll **verwandelt** werden.


Verwandlung bedeutet:


* Klärung des Willens

* Vertiefung des Willens

* Weitung und Weihe des Willens


So wird aus einer isolierten Selbstbestimmtheit eine Selbstbestimmtheit, die in Übereinstimmung mit dem Wahren lebt. Der Wille bleibt – doch er wirkt nicht mehr aus Angst oder Gewohnheit, sondern aus Wahrheit.


In dieser wahren Selbstbestimmtheit entsteht kein innerer Widerstand. Es bleibt ein Gefühl von Würde und Freiheit. Hingabe ist hier kein Verlust, sondern ein Gewinn an Tiefe und Echtheit.


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Wahre Selbstbestimmtheit als Einklang


Die wahre Selbstbestimmtheit ist der Einklang des Ewigen mit der Form in dieser Welt. Sie ist das Einssein mit der höchsten eigenen Wahrheit. In manchen Momenten kann sie sogar aus dem seelischen oder psychischen Wesen heraus wirken – aus jener Tiefe, die jenseits von Angst und Kontrolle liegt.


Auf dieser Ebene heißt es nicht:


> „Ich darf nicht wollen.“


Sondern:


> „Ich will die Wahrheit.“


Hier wird nichts verworfen, nichts negiert. Die Selbstbestimmtheit ist kein Hindernis. Entscheidend ist allein, **welche Selbstbestimmtheit wir leben wollen**.


Die gewöhnliche Selbstbestimmtheit aufzugeben bedeutet keine Willenslosigkeit. Es bedeutet bewusste Übereinstimmung mit dem Wahren.


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Ein poetischer Blick auf den Willen


Sinngemäß ließe sich sagen:

Der göttliche Wille wirkt nicht gegen den Menschen, sondern durch ihn.


Nicht derjenige bricht den Willen, der ihn hält,

sondern derjenige, der ihn durchlichtet.


Nicht um den Willen des Menschen zu brechen geht es,

sondern ihn aus dem höchsten Licht zu weiten,

ihn zu vertiefen und zu verwandeln.


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Der große Kreis der Wandlung


So spannt sich ein großer Kreis der Wandlung:


* von einer scheinbaren Freiheit, die isoliert ist,

* hin zu einer grenzenlosen Selbstbestimmtheit in Übereinstimmung.


Von einer Selbstbestimmtheit, die aus Angst lebt,

hin zu einer Selbstbestimmtheit, die aus Wahrheit wirkt.


In diesem Licht verliert die gewöhnliche Selbstbestimmtheit ihre naive Annahme, allein Iosliert zu stehen. Ein Bewusster Lichtstrahl durchdringt die Ebenen des Daseins und schenkt einen neuen Blick – einen Lichtblick in die eigenen tiefen Welten des Bewusstseins..


Die Ebenen des Ewigen werden berührt.

Ein Gesang steigt auf – der Gesang des Ewigen.

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