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Einfachheit und Wahrhaftigkeit Im Licht des Bewusstseins

21. Aug.
6 Min. Lesezeit

Namaste und willkommen zu unserer Morgendämmerung

Heute Morgen möchte ich zwei Begriffe in das Licht des Bewusstseins stellen, die eine besondere Tiefe in sich tragen: Einfachheit und Wahrhaftigkeit.

Es sind Worte, die uns zunächst sehr vertraut erscheinen. Und doch können sie, wenn wir sie aus einer tieferen Ebene des Bewusstseins betrachten, eine ganz andere Bedeutung bekommen.

Einfachheit und Wahrhaftigkeit haben unmittelbar mit uns selbst zu tun. Sie berühren unsere innere Sehnsucht und zeigen sich zugleich in unserem äußeren Ausdruck und in der Art, wie wir in der Welt sind.

Was geschieht, wenn wir diese beiden Begriffe nicht nur mental betrachten, sondern ihnen im Licht des Bewusstseins begegnen?



Einfachheit ist mehr als äußere Schlichtheit

Aus dieser Sicht bedeutet Einfachheit nicht einfach äußere Schlichtheit. Sie bedeutet auch nicht lediglich, Dinge wegzulassen, weniger zu besitzen oder das Leben äußerlich zu reduzieren.

Im integralen Yoga und im integralen Bewusstsein kann Einfachheit etwas viel Tieferes bedeuten.

Einfachheit entsteht dort, wo die unnötigen Bewegungen des Mentalen und des Vitalen zurücktreten.

Das bedeutet nicht, dass das Mentale oder Vitale verschwinden müssen. Vielmehr verlieren ihre übermäßigen und unnötigen Bewegungen ihre Macht über unser Dasein.

Die Einfachheit des Wesens wird nicht mehr von ständigem Denken, Wollen, Bewerten, Begehren oder Reagieren überlagert.

Es entsteht eine Einfachheit des Bewusstseins.



Wahrhaftigkeit bedeutet, nichts vor der Wahrheit zu verstecken

Von hier aus lässt sich unmittelbar der zweite Begriff berühren: Wahrhaftigkeit.

Wahrhaftigkeit bedeutet nicht in erster Linie: Wie kann ich wahrhaftig sein?

Vielmehr bedeutet Wahrhaftigkeit:

Nichts vor der Wahrheit zu verstecken.

Das ist etwas ganz anderes, als vollkommen sein zu müssen.

Wahrhaftigkeit bedeutet nicht, dass in uns nichts Unvollkommenes, Schwieriges oder Widersprüchliches mehr existieren darf. Sie bedeutet auch nicht, dass wir nur noch „gute“ oder „bewusste“ Zustände haben dürfen.

Wahrhaftigkeit bedeutet, nichts von dem, was in uns auftaucht, vor der Wahrheit verstecken zu müssen.

Das Wahre und das Einfache sind bereits in uns.

Doch diese Wahrheit kann verdeckt werden, wenn wir versuchen, bestimmte Bewegungen in uns nicht wahrhaben zu wollen.



Was in uns auftaucht, darf gesehen werden

Wenn Angst in uns auftaucht, darf sie gesehen werden.

Wenn ein Wunsch auftaucht, darf er gesehen werden.

Wenn Stolz auftaucht, darf auch dieser gesehen werden.

Wenn eine Verletzung da ist, darf sie gesehen werden.

Es geht darum, diese Bewegungen im Licht der Wahrhaftigkeit und im Licht des Bewusstseins wahrzunehmen.

Dann kann ein Mensch sagen:

Da ist Angst.

Da ist ein Wunsch.

Da war Stolz.

Da ist eine Verletzung.

Doch etwas Entscheidendes verändert sich dabei:

Ich muss nicht sagen: Das bin ich.

Es ist etwas, das in mir auftaucht. Etwas wirkt in mir. Etwas möchte gesehen werden.

Das ist ein großer Unterschied.



Wahrnehmen, ohne sich damit zu identifizieren

Oft machen wir aus dem, was in uns auftaucht, sofort ein Problem.

Wir bemerken Angst und denken:

Ich bin nicht bewusst genug.

Wir bemerken einen Wunsch und fragen:

Wie kann ich bewusster werden, damit so etwas nicht mehr in mir existiert?

Wir entdecken Stolz, Verletzung oder Abneigung und möchten diese Zustände möglichst schnell überwinden.

Doch im Licht der Wahrhaftigkeit kann eine andere Haltung entstehen:

Da ist etwas, das in mir wirkt. Ich lasse es ans Licht kommen.

Die Angst darf sichtbar werden.

Der Stolz darf sichtbar werden.

Der Wunsch darf sichtbar werden.

Die Verletzung darf sichtbar werden.

Nicht damit wir uns mit ihnen identifizieren, sondern damit sie im Bewusstsein gesehen werden können.

Das Licht des Bewusstseins und die Wahrhaftigkeit gehören dabei unmittelbar zusammen.



Die mentale und vitale Bewegung legt sich über das Einfache

So wird deutlich, dass Einfachheit und Wahrhaftigkeit bereits in uns existieren.

Es sind keine Eigenschaften, die wir erst künstlich herstellen müssen.

Vielmehr gibt es Bewegungen in uns, die sich darüberlegen und diese Einfachheit und Wahrhaftigkeit verdecken können.

Vor allem das Mentale macht vieles kompliziert.

Es vergleicht.

Es beurteilt.

Es verurteilt.

Es analysiert.

Es zweifelt.

Es rechtfertigt sich.

Es sucht nach Erklärungen.

Es versucht, etwas einzuordnen und verständlich zu machen.

Und so kann etwas, das in seiner innersten Wahrheit ganz einfach ist, plötzlich sehr kompliziert werden.

Das Mentale lässt die Einfachheit nicht einfach stehen.

Es mischt sich ein.


Die Bewegungen des Vitalen

Auch die vitale Natur kann sich über die Einfachheit und Wahrhaftigkeit legen.

Dort begegnen uns Wünsche und Erwartungen, Ängste und Begehren, Abneigungen und persönliche Bedürfnisse.

Diese Bewegungen drängen häufig an die Oberfläche und wollen bestimmen, wie wir etwas erleben, beurteilen oder auf die Welt reagieren.

So wird die unmittelbare Einfachheit des Wesens überlagert.

Die Oberfläche tritt nach vorne.

Und das, was in unserem innersten Wesen bereits einfach und wahr ist, wird verdeckt.



Die Wahrheit braucht keine lange Erklärung

Einfachheit und Wahrhaftigkeit sind in ihrer Essenz etwas Unmittelbares.

Man muss nicht lange argumentieren.

Man muss sich nicht lange erklären.

Die Wahrheit erkennt sich in ihrer stillen Bewegung.

Je näher ein Mensch seinem innersten Wesen kommt, desto weniger muss er sich selbst etwas vormachen. Und desto weniger muss er ständig etwas aus sich heraus herstellen.

Er muss nicht fortwährend etwas sein.

Er muss nicht ständig etwas beweisen.

Er muss nicht ständig erklären, wer er ist und warum er so ist.

Er kann aus dem inneren Raum leben, aus dem Einfachheit und Wahrhaftigkeit hervortreten.

Und aus diesem Raum können Frieden, Wahrheit, Liebe, Hingabe und Klarheit entstehen.

Eine Hingabe an das, was in uns wesentlich und wahr ist.



Mehr Bewusstsein bedeutet nicht mehr Bewegung

Vielleicht erscheint Einfachheit zunächst wie etwas sehr Reduziertes.

Doch im Licht des Bewusstseins ist das Gegenteil der Fall.

Je mehr Bewusstsein, desto weniger unnötige Bewegung.

Das bedeutet nicht, dass ein bewusster Mensch passiv wird.

Ein einfacher Mensch ist weder passiv noch naiv noch weltfremd.

Er kann sehr wach sein.

Er kann kraftvoll sein.

Er kann wirksam sein.

Er kann klar handeln und vollständig im Leben stehen.

Was weniger wird, sind nicht unbedingt seine Fähigkeiten oder seine Wirksamkeit. Weniger werden vielmehr die unnötigen persönlichen Bewegungen, die ihn ständig beschäftigen.

Weniger kann werden in seinen persönlichen Bedürfnissen, in seinen mentalen Verwicklungen und in seinen vitalen Neigungen.

Doch im Bewusstsein wird er nicht weniger.

Er wird einfacher in seinem Dasein.



Nicht mehr beweisen müssen, wer man ist

Ein Mensch, der aus dieser Einfachheit lebt, muss nicht ständig beweisen, wie gut oder wie großartig er ist.

Er muss sich nicht über seine Leistungen definieren.

Er muss nicht ständig die Bestätigung von außen suchen.

Er kann, wenn man es so sagen möchte, einfach beginnen, seine Wahrheit zu leben.

Das ist der einfache Weg der Transformation.

Sehr direkt.

Sehr einfach.

Sehr klar.

Und darin wird der Mensch unmittelbar wahrhaftig.



Die Schwierigkeit am Anfang

Gerade am Anfang kann es für einen Menschen schwierig sein, wahrhaftiger zu werden.

Denn wir leben in einer Welt, die häufig komplex, indirekt und verwirrend ist.

Wir begegnen den Verwirrungen und Irrungen des Mentals.

Wir begegnen den Bewegungen des Vitals.

Wir begegnen Erwartungen, Vorstellungen, Wünschen, Ängsten und persönlichen Geschichten.

Wenn wir beginnen, wahrhaftiger zu werden, kann es zunächst sogar schwieriger erscheinen, mit dieser Welt umzugehen.

Denn wir sehen mehr.

Wir erkennen mehr.

Wir können nicht mehr so leicht über das hinweggehen, was in uns geschieht.

Doch genau darin liegt eine Möglichkeit.

Wir müssen nicht alles sofort verändern.

Wir dürfen zuerst sehen.



Einfachheit ist der Raum, in dem Wahrheit nicht erklärt werden muss

Vielleicht lässt sich die Essenz von Einfachheit so ausdrücken:

Einfachheit ist der Raum, in dem Wahrheit nicht erklärt werden muss.

Sie darf einfach da sein.

Die Wahrheit muss sich nicht rechtfertigen.

Sie muss sich nicht verteidigen.

Sie muss nicht kompliziert gemacht werden.

Und ebenso muss Wahrhaftigkeit nicht durch mentale Definitionen hergestellt werden.

Nicht das Mentale muss uns erklären, was Einfachheit oder Wahrhaftigkeit bedeutet.

Wenn wir versuchen, Einfachheit und Wahrhaftigkeit ausschließlich mental zu verstehen, können wir sie bereits wieder komplizierter machen.

Im Licht des Bewusstseins sind sie schlicht und unmittelbar.



Zurück zu unserer klaren und einfachen Essenz

So können wir Einfachheit und Wahrhaftigkeit aus einer anderen Perspektive betrachten.

Nicht als Forderung.

Nicht als moralische Aufgabe.

Nicht als Versuch, vollkommen zu werden.

Sondern als etwas, das bereits in uns vorhanden ist.

Das Licht des Bewusstseins legt frei, was sich darunter verborgen hat.

Es sieht die Angst.

Es sieht den Wunsch.

Es sieht den Stolz.

Es sieht die Verletzung.

Es sieht die mentalen Bewegungen.

Es sieht die vitalen Bewegungen.

Und indem alles gesehen werden darf, ohne dass wir uns damit identifizieren müssen, beginnt etwas Einfaches sichtbar zu werden.

Unsere innere Wahrheit.

Unsere klare Essenz.

Das Einfache ist nicht weniger Bewusstsein.

Das Einfache ist das Bewusstsein, wenn unnötige Bewegung zurücktritt.

Und die Wahrhaftigkeit ist der Raum, in dem nichts vor dieser Wahrheit verborgen werden muss.

So führt uns das Licht des Bewusstseins zurück zu etwas, das immer schon da war:

zu unserer klaren, einfachen und wahrhaftigen Essenz.


Amen.


SarlaMa

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