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Unwissenheit

31. Aug.
2 Min. Lesezeit

Der Mensch hat vergessen.


Er hat vergessen,

woher er kommt,

und worin er lebt.


Er hat die Welt betrachtet

und geglaubt,

sie sei das,

was er selbst aus ihr gemacht hat.


Er hat sich selbst betrachtet

und geglaubt,

er sei das,

was er von sich sehen kann.


Doch tief in ihm

ist etwas geblieben.


Eine Erinnerung,

die kein Gedanke ist.


Eine Sehnsucht,

die keinen Namen braucht.


Nach Wahrheit.

Nach Liebe.

Nach Freiheit.

Nach Frieden.


Eine leise Erinnerung in ihm weiß noch.


Und so beginnt der Weg.


Nicht weil der Mensch weiß,

wohin er gehen muss.


Sondern weil die innere Erinnerung in ihm

gerufen wird.


Manchmal durch einen Schmerz.

Manchmal durch eine Schönheit.

Manchmal durch einen Augenblick,

in dem die Welt plötzlich still wird.


Und für einen Moment

ist es da,


das sich nicht erklären lässt.


Ein Licht.


Eine Gegenwärtigkeit.


Eine Liebe,

die nichts besitzen will.


Eine Einheit,

in der die Grenzen

für einen Augenblick verschwinden.


Dann kehrt das Alte zurück.


Die Gedanken.

Die Angst.

Der Zweifel.

Die Trennung.


Und der Mensch versucht,

das Verlorene wiederzufinden.


Er sucht den Zustand.

Er sucht die Antwort.

Er sucht den Weg.


Doch das, wonach er sucht,

lässt sich nicht erzwingen.


Die innere Erinnerung nicht darauf,

gemacht zu werden.


Die innere Erinnerung wartet darauf,

empfangen zu werden.


Und so beginnt der Mensch,

stiller zu werden.


Nicht weil er die Stille macht.


Sondern weil etwas in ihm

aufhört, so laut zu sein.


Und in dieser Stille

entsteht Raum.


Ein Raum,

der immer da war.


Ein Raum,

in dem das Licht

nicht von außen kommt.


Es war schon da.


Es wird nur sichtbar.


Und mit diesem Licht

beginnt sich etwas zu verändern.


Nicht nur der Gedanke.


Nicht nur das Gefühl.


Nicht nur die Seele.


Der ganze Mensch.


Das, was bisher getrennt erschien,

beginnt sich zu verbinden.


Das Alte wird nicht verworfen.


Es wird verwandelt.


Das Gefäß wird erneuert.


Nicht damit etwas Fremdes

in es hineingegossen werden kann,


sondern damit sichtbar werden kann,

was durch dieses Gefäß

schon immer hindurch wollte.


Der Mensch beginnt zu erkennen:


Er ist nicht das Ende.


Er ist ein Übergang.


Etwas Neues

will durch ihn hindurch

geboren werden.


Und vielleicht wird es zuerst

gar nicht verstanden.


Vielleicht wird es einfach gelebt.


Ein anderes Lieben.


Ein anderes Sehen.


Ein anderes Sein.


Eine Wahrhaftigkeit,

die nichts beweisen muss.


Eine Wahrheit,

die nicht gegen eine Unwahrheit kämpfen muss.


Ein Bewusstsein,

das die Unwissenheit nicht erniedrigt,

sondern sie in sich aufnimmt

und verwandelt.


Und was im Menschen geschieht,

bleibt nicht im Menschen.


Das Licht,

das in einem Menschen erwacht,

berührt die Welt.


Die Welt beginnt sich zu erinnern.


Vielleicht war auch das Vergessen

Teil des Weges.


Vielleicht war das Ewige

die ganze Zeit am Werk.


Und vielleicht ist das,

was wir vor unseren Augen sehen,

nicht nur das Ende einer alten Welt.


Vielleicht ist es

die Geburt einer neuen.


Noch nicht verstanden.


Noch nicht sichtbar.


Aber bereits spürbar.


Das Unerwartete

steht nicht vor der Tür.


Es ist bereits Gegenwärtig.


Und vielleicht bedeutet

das Unerwartete erwarten

nicht, auf etwas zu warten.


Vielleicht bedeutet es,


still genug zu werden,


um zu empfangen,


was sich


aus sich selbst,


in sich selbst


und durch uns


zu gebären beginnt.


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